Einführung in das Loopen

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Überblick[Bearbeiten]

Für die meisten Menschen mit Typ 1 Diabetes ist es eine große Herausforderung ihren Blutzucker auf einen einigermaßen stabilen und niedrigen Tagesverlauf zu bekommen, da unzählige Einflussfaktoren an der Kurve herumzerren. Essen, verschiedenste Hormone, Stress, wenig Bewegung, viel Bewegung, schnelle Kohlenhydrate, langsame Kohlenhydrate, auslaufendes Insulin, stärker wirkendes Insulin, Tagesrhythmus, Hauttemperatur - all das und noch viel mehr kann Auswirkung auf den Blutzucker haben. In der Praxis wird daher oftmals keine optimale Einstellung erreicht. Wenn doch, dann teils unter hohem Aufwand, der eine ständige Konzentration und zig tausend zu fällende Entscheidungen über Dosis und Einschätzung der Situation erfordert, bei jeder Mahlzeit, bei jedem abweichenden Zwischenwert.

Der funktionierende körpereigene Regelkreis kann schnell auf äußere Einflüsse reagieren und genau die Menge an Insulin abgeben, die auch gebraucht wird, ohne dass er mehrere Faktoren berücksichtigen muss. Technisch besteht seit geraumer Zeit (etwa ab 2006) die Möglichkeit über kontinuierliche Blutzuckermessung ständig den Gewebezucker parat zu haben und über die Insulinpumpe kann man seit Mitte der 90er durchgängig, variable Insulindosen abgeben. Man könnte meinen nun sei es ein leichtes den (Regel-)Kreis zu schließen - closing the loop - aber so einfach wie die Zimmertemperatur auf einen konstanten Wert zu halten ist es leider nicht.

Probleme[Bearbeiten]

zeitliche Verzögerung[Bearbeiten]

Kontinuierliche Messsysteme messen den Gewebezucker, welcher zwar laut Studien meistens gut mit dem Blutzucker übereinstimmt, aber gerade bei schnellen Änderungen langsamer als der Blutwert reagiert. Man spricht von einer Verzögerung von 10-15 Minuten.

Die Insulinabgabe erfolgt egal ob gespritzt mit Pen oder über die Pumpe immer indirekt über das Fettgewebe. Je nach Insulintyp wird es dort unterschiedlich schnell abgebaut und ins Blut transportiert. In Insulinpumpen verbreitete Insulinarten entfalten ihren Wirkhöhepunkt nach 50 bis 90 Minuten, können aber noch bis zu 6 Stunden abgeschwächt nachwirken (IOB).

Durch diese Verzögerungen reicht es also nicht wenn der Regelkreis nur die aktuelle Situation bewertet und reagiert, sondern er muss Vorhersagen machen und auch vergangene Ereignisse mit einbeziehen, da sonst die Gefahr zu groß ist über bzw. unter das Ziel hinaus zu schießen.

Versorgung - Krankenkassensituation in Deutschland[Bearbeiten]

Auch wenn wir in Deutschland froh sein können, dass wir problemlos unser lebenswichtiges Insulin von den Krankenkassen bezahlt bekommen, so gestaltet sich die Versorgung mit technisch moderneren Hilfsmitteln als schwierig.

Die Pumpen- und CGM-Versorgung ist teurer (Wie viel? Wer Artikel zu den Zahlen kennt, gerne verlinken! TODO) als die herkömmliche Behandlung mit Pens und Messstreifen. Und auch wenn in Studien vielfach Vorteile und bessere Einstellungen nachgewiesen werden konnten und durch eine bessere Einstellung hohe Behandlungskosten für Folgeschäden eingespart werden könnten, muss man in Deutschland immer aufwändig begründen, wenn man die Kosten der Pumpen- oder CGM-Versorgung von der Krankenkasse übernommen haben möchte, und ein Erfolg ist nicht garantiert. Einschließlich der Einreichung einer meist dreimonatigen, ausführlichen Dokumentation in Form eines bevorzugt handschriftlich geführten Tagebuchs (Willkommen im 21. Jahrhundert) und einer gut formulierten Begründung des Diabetologen. Die genaue Situation unterscheidet sich auch etwas von Krankenkasse zu Krankenkasse und sogar von Bundesland zu Bundesland. Mit der höheren Verfügbarkeit von Loop-fähigen CGM- und Pumpensystemen wird es aber leider noch lange nicht einfacher werden, sich diese auch leisten zu können.

Dieses Wiki soll mit der Zeit um eine Sammlung an Anschreiben an die Krankenkassen ergänzt werden, gerne dürfen auch sonstige Tipps zu dem Thema festgehalten werden.

Gefahren und Zulassung[Bearbeiten]

Schlechte Werte können nicht nur Gefäßschäden und verkürzte Lebenserwartung als Folge haben, sondern auch zu sehr gefährlichen Situationen für den Diabetiker und sein Umfeld führen. Zu niedriger Blutzucker kann zum hypoglykämischen Schock führen, wenige Stunden ohne Insulin können reichen um im diabetischen Koma zu landen. Und dazwischen liegen noch viele Stufen in denen die Psyche und Physis des Diabetikers beeinflusst sind. Lässt man den Zucker also von programmierten Geräten steuern und es kommt zum Schlimmsten, entstehen auch Haftungsfragen.

Die Geräte und Software aus der Community werden daher nie als Produkt vertrieben, sondern immer nur in Form von Anleitungen zum selber Bauen bereitgestellt, der Patient haftet für sich selber. Allerdings muss man festhalten, dass insbesondere die am häufigsten verwendeten Algorithmen für OpenAPS sehr konservativ geschrieben sind mit hohen Sicherheitsschranken und nur langsam um neue Funktionen erweitert wurden. Diese müssen durch lange Testphasen als “open loop” (Gerät macht nur Vorschläge) und alle Lösungen steuern am Ende marktübliche, getestete und bewährte Pumpen. Fällt z.B. die Loop komplett aus, greift die Pumpe auf ihr übliches Basalprofil zurück und die Insulinversorgung ist weiterhin sichergestellt. Trotzdem sollte der Anwender sich dessen bewusst sein, dass die Software durch einen Fehler oder durch böse Absichten zu einer gefährlich hohen Insulinausschüttung führen kann. Glukagon-Spritzen und genügend Traubenzucker sollte jeder Diabetiker dabei haben, auch Looper.

Unternehmen, die solche Produkte anbieten wollen, müssen allerdings aufwändige Tests durchführen, bevor sie ihr medizinisches Produkt, in den USA bei der FDA und in Europa bei der EMA, anmelden können, um es im jeweiligen Gebiet verkaufen zu dürfen. Daher sind die Entwicklungsprozesse sehr langsam und weit hinter dem technisch Möglichen zurück.

kommerzielle Loops[Bearbeiten]

Im Laufe des Jahres 2018 kommen erste kommerzielle Geräte auf den europäischen Markt, während in den USA seit Mitte 2017 ein erstes Gerät verfügbar ist, die Minimed 670G. Nach den ersten Erfahrungsberichten zu urteilen funktioniert die Loop okay, ist aber sehr konservativ eingestellt und erfordert häufiges manuelles Eingreifen, damit sie mit möglichst vielen Diabetikern kompatibel ist, ohne zu viele Hypoglykämien auszulösen. Um die Benutzenden vor Fehlbedienung zu schützen können aber auch nur wenige Variablen angepasst werden - hier ist die Lösung aus der Community klar im Vorteil, erfordert aber aben auch die genaue Einstellung und Auseinandersetzung mit dem eigenen Diabetes.

[en] Übersicht über aktuelle und zukünfitge kommerzielle Loops

[en] Blogbeitrag über die persönliche Entscheidung OpenAPS vs. Medtronic 670g

Darum: DIY[Bearbeiten]

Weil wir nicht länger warten wollen, auf die Wirtschaft, auf die Zulassungspolitik oder die Bewilligung der Krankenkassen. Loopen mit dem, was es bereits auf dem Markt gibt und was man einigermaßen gut von den Krankenkassen bekommt.

Schritte zum eigenen APS